Genetik

Genetik für Anfänger:

Hier bastel ich nach und nach ein paar Infos zur Genetik hin.

Die meisten haben sicher schon ein bisschen zu Genen in der Schule gehört. DNA schwebt einem im Kopf rum, Zellen, usw..

 

Ein Gen trägt Informationen in sich. Zum Beispiel welche Haarfarbe ein Lebewesen hat. Dafür bekommt es je ein Gen von der Mutter und eins vom Vater. Diese beiden Gene (Genpaar) nennt man Allele.

 

Handelt es sich bei den Genen von den Eltern um gleichartige Gene, z.B. von beiden das Schwarze-Haare-Gen (B+B), so spricht man von Reinerbigkeit. Vererbt z.B. ein Elternteil braune Haare, das andere schwarze, so handelt es sich um Spalterbigkeit (B+b).

 

Das stärkere, dominate Gen zeigt sich im Aussehen (Phänotyp) und wird als Zeichen der Dominanz groß geschrieben.

 

Verpaart man also ein reinerbiges schwarzes (BB) mit einem reinerbigen schokoladenfarbenen (bb) Meerschweinchen würden die Kinder alle ein schwarzes Haarkleid bekommen mit der Trägereigenschaft der Schokoladenfarbe. Dessen Kinder (aus VP: Bb x Bb) widerum können dann zu 50% schwarz und 50% schokolade werden.

Tabellarisch würde eine Verpaarung von 2 spalterbigen Meerschweinchen- Eltern so aussehen:

 

>>>>>>>>>>>>>>>

 

Demnach fallen zu 50% spalterbige, 25% reinerbig Schwarze und zu 25% schokoladenfarbige (braune Haare) Tiere.

 

Vater

 

B

 

b

Mutter

 

 

 

B

 

BB

Bb

 

b

 

Bb

bb

Satin-Sheltie inschokolade

Somit sind wir bei der Farbgenetik:

 

Wenn man alle dominanten Farb-Gene (ausgenommen Rn für Schimmel) der Farbformel eines Meerschweinchens nimmt, so hat man den Wildtyp des Meerschweinchens, ein einfarbiges Agouti-Meerschweinchen:

 

AA BB CC EE PP rnrn SS

 

Dominant ist das Gen was bei Spalterbigkeit am Tier gezeigt wird. Als Zeichen der Dominanz wird der Gen-Buchstabe groß geschrieben.

 

Ich gehe die Buchstaben der Reihe nach durch.

A - ar - at - a:

 

Die Agouti-Varianten treten nur im Farbfeld der Schwarzreihe auf! Zur Schwarzreihe gehören: Schwarz, Slateblue, Lilac, Schoko, Coffee und Beige. Man kann es sich so vorstellen, dass sich die Schwarzreihe über die Rotreihe legt und man durch einzelne "Sichtfenster" die untere Rotreihe (rot, buff, creme, weiß) sichtbar wird: so entsteht das Ticking, Tipping und die Lohe-Zeichnung!

 

A steht für Agouti. Es ist das dominanteste Gen unter den A´s. Ein Agouti-Meerschweinchen hat eine Bänderung/Ticking im Haar, wodurch die Farbe der Rotreihe (s.o.) ringförmig durchscheint. Das Ringförmige nennt man Ticking. Zusätzlich ist der Bauch des Agoutis rot wie die Bänderung des Deckhaars. Beim Lilac oder Slateblue verändert sich durch das p oder pr-Gen dieses typische Ticking zu Tipping. Beim Tipping sind nur die Haarspitzen die "Sichtfenster" zur Rotreihe. Im Slateblue kann sowohl Agouti als auch Argente auftreten, ersteres ist selten. Bei Lilac ist bisher nur Argente als Agoutizeichnung bekannt.

 

ar ist eine Unterform des Agouti: Solid-Agouti. Im Vergleich mit dem normalen Agouti ist der Bauch kein großes Sichtfeld zur Rotreihe, sondern zeigt komplett das Ticking oer Tipping. Die Schwarzreihenfarbe ist in der Regel intensiver/pigmentierter, die Bänderungsringe sind schmaler. Typisch für ein Solid ist, dass sie bei der Geburt oft nur ein paar vereinzelte Agouti-Haare im Bereich der Ohren und des Bauchs zeigen. Mit zunehmenden Alter werden es mehr. Meistens sind das auch die Solids mit der besten Zeichnung im Erwachsenenalter. ar ist dominant zu a, gleichstark zu at.

 

at ist auch eine Unterform des Agouti, die Lohe-Zeichnung am Meerschweinchen. Die Nase, Ohrenansatz, z.T. Zehen und der Bauch sind in der Farbe der Rotreihe. Der Bauchstreifen soll breiter sein als beim Agouti. at ist dominant über a, kann aber neben ar auf einen Meerschweinchen existieren, es können dann beide Zeichnungen, Lohe und Solidagouti auf einem Meerschweinchen gezeigt werden. Es würde wie ein überzeichnetes Agouti mit schlechtem Ticking aussehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Coronet in solidagouti-black+tan

 

 

a ist ein Meerschweinchen ohne Agouti-Faktor, nonagouti. Ein Meerschweinchen welches keine Agoutizeichnung zeigt, ist auch kein Agouti.

Das sind die verschiedenen Agoutifakoren bei Schwarz:

A / Goldagouti, hier mit weiß

ar / Solid-Goldagouti

at / Black + Tan (Lohe)

B - b:

 

B steht für Schwarz und seine Aufhellungen zu Slateblue und Lilac. b verwandelt durch "Verklumpung" der Pigmente das Schwarz zu Schokolade, Slateblue zu Coffee und Lilac zu Beige. Die eigentliche Schwarzreihe erscheint wärmer, rötlicher, heller.

 

Durch diese Verklumpung der Farbpigmente ist auch die Haut des Tieres und die Augen nicht mehr so dicht pigmentiert wie bei B-Tieren. In den Augen von Schoko-Meerschweinchen kann man eine "Glut" erkennen, wodurch viele Züchter von Feueraugen (f.e.) sprechen. Genetisch sind die Schokos aber Dunkelauge (d.e.).

aa BB: schwarzer Peruaner

C - cd - cr - ca

 

Die C´s sind für die Rotreihe zuständig und die wohl kompliziertesten Farbgene. Damit diese auch sichtbar am Meerschweinchen sind, muss es sich um ein Tier handeln, auf dem sich die Rotreihenfarbe zeigt. Ausnahme dafür ist Himalaya und "Marder" bzw. "Sable".

 

Ein Meerschweinchen mit mindestens einem C zeigt Rot, mit und ohne Trägereigenschaft eines kleinens c´s.

 

cdcd verändert das rote Farbfeld zu Buff, einem gelblichen Orange.

 

crcr verändert das rote Farbfeld zu Weiß.

 

Die Kombination cr cd oder auch ca cd bewirkt, dass Rot zu Creme wird. Bei Creme handelt es sich demnach um keine reinerbige Farbe, sondern um eine Genkombinations-farbe.

 

caca ist die Ausnahme, der Superaufheller, welcher sogar Schwarz zu Weiß werden lässt, mit Ausnahme der Points (Himalaya-Zeichnung). Die "Kaltstellen" der Schwarzreihe bleiben farblich erhalten, an Nase, Ohren und Füße. Die Rotreihenfarben werden komplett weiß ohne Points. Dieser große Farbklauer bleibt natürlich am Auge nicht stehen. Die Augen werden rot, Pinkeye, p.e. Allein die Trägereigenschaft eines ca verdirbt immer auch die Intensität des Pigments, schwarz ist grauer, schoko blasser, Glut in den Augen. Selbst bei Silber- oder Cinnamon-Agoutis ist das Schwarz bzw. Schoko deutlich heller, wenn es genetisch crca anstatt crcr ist. Deswegen ist ca nur bei Himalaya-Züchtern beliebt.

 

Marder/Sable sind genetisch Schwarze oder Schokoladenfarbige, die crca sind. Sie machen vom Baby zum erwachsenen Meerschweinchen eine typische Färbung durch, sehen anfangs oft anthrazit aus und bekommen dann die für Marder so typische dunkle Gesichtsmaske während der Rest heller ist. crca würde ein rotes Meerschweinchen zu einem weißen machen.

E - ep - e

 

E ist immer ein einfarbiges Meerschweinchen, wenn man die Weißscheckung durch s mal außen vor lässt.

 

Wenn wir bei dem "Sichtfenster"-Beispiel bleiben, so sorgt ep für große Sichtfenster, an denen man die Rotreihe sehen kann. Es führt zu einer Scheckung von Schwarz- und Rotreihe, zu schwarz-rot, schoko-gold, slateblue-gold, coffee-gold, lilac-gold, beige-gold. Mit ep geht immer auch etwas Brindle (gestromert) einher, was man aber züchterisch in die eine oder andere Richtung selektieren und damit beeinflussen kann. Brindlezüchter würden möglichst viel Brindle auf dem Tier selektieren und Schildpatt-Züchter würden entgegengesetzt die Plattenfarbgebung mit klar abgegrenzten Farbfeldern heraus-züchten. Das Ziel der Schildpatt-Züchter ist das Schachbrettmuster, mindestens 3 Farbfelder auf jeder Seite, aber farbversetzt wie auf einem Schachbrett. ep ist dominant über e, rezessiv zu E.

 

e ist reinerbig ein einfarbig rotes, buff, creme oder weißes Meerschweinchen, ohne Auftauchen der Schwarzreihe. e ist rezessiv.

P - pr - p

 

... sind die augenbestimmenden Gene mit Aufhellung der Schwarzreihe!

P ergibt keine Aufhellung der Schwarzreihe, Es bleibt Schwarz oder Schoko. Es ist das dominante Gen, wie man schon an der Großschreibung erkennt.

 

pr verwandelt Schwarz zu Slateblue, Schoko zu Coffee. Es heißt zwar, dass pr die Rotreihe nicht aufhellen soll, kann ich aber nicht so beobachten, zumal pr die Augen zu Rubinaugen oder Feueraugen umwandelt und damit durchaus Einfluss auf die Pigmentierung hat. Mittlerweile gibt es Slateblue-Meerschweinchen mit recht dunklen Augen, die Glut ist aber immer gut zu erkennen. Jede zusätzliche c-Aufhellung oder p-Anhängsel hellt die Augen zusätzlich auf. Das darf man nicht vergessen. Babys in slateblue haben anfänglich recht helle Augen, die im Heranwachsen nachdunkeln. Das ist typisch für pr.

 

Slatebluebasierende Tiere haben ein helleres Rot als die schwarzen. Die Rotreihe wird deshalb in meinen Augen zu Recht "Gold" genannt, sobald es sich um prpr handelt. Bei Schoko ist es das Gleiche, Rot wird zu "Gold". Meerschweinchen die ee prpr-Gold sind zeigen aufgrund des e´s nur die Rotreihe, kein Slateblue. Sie sehen den Goldfarbenen aus Schoko (bb ee) zum Verwechseln ähnlich. Hier ist ein Stammbaum äußerst wichtig.

Fawkes aus der Räuberhöhle,

Sheltie-Bock in slateblue-gold-weiß

rn rn = Nichtschimmel

 

Rn rn = Schimmel oder Dalmatiner

 

Rn, das Schimmelgen, ist ein Lethalfaktor, d.h. dass es in reinerbiger Form zu nicht lebensfähigen oder schwerstbehinderten Babys führt. Es macht vereinzelte Haare bei einem ansonsten farbigen Tier weiß.

 

Um zu verhindern, dass zu diesen nichtlebensfähigen oder schwerstbehinderten Babys kommt, darf man niemals Schimmel x Schimmel oder Schimmel x Dalmatiner oder Dalmatiner x Dalmatiner mit einander verpaaren. Desweiteren ist es äußerst wichtig, jegliche Weißscheckung, cr- oder ca-Gene in der Schimmelzucht zu vermeiden. Ansonsten kann man nicht mehr nachvollziehen, ob das Tier nun weiße Haare aufgrund einer c-Aufhellung, Weißscheckung oder Schimmelung hat. Jeden Nachwuchs mit nur einem weißen Haar aus einer Schimmelverpaarung muss man als Schimmel ansehen.

 

Schimmel verpaart man also nur mit einfarbigen oder zweifarbigen Meerschweinchen ohne Weißscheckung oder cr / ca im Stammbaum. Lilac oder Creme eignen ebenso schlecht zur Schimmelzucht, weil man bei diesen hellen Farben kaum noch die farbigen von weißen Haaren unterscheiden kann.

 

Schimmel haben einen einfarbigen Kopf und 4 farbige Füße. Der Köper ist durchgeschimmelt.

Dipsy aus der Räuberhöhle,

Sheltie-Baby, slateblue-Schimmel

 

 

Dalmatiner wurden so herausgezüchtet, dass sie eine Blesse und Dalmatiner-Punkte aufweisen sollten. Gar nicht so einfach!

S - s

 

Die Weißscheckung! Sie legt sich als 3. Mäntelchen über die Schwarz- und Rotreihe, unabhängig wie diese sortiert ist. s ist ein rezessives Gen und kann versteckt von einfarbigen Tieren getragen werden.

 

In der Meerschweinchen-Genetik geht man davon aus, dass sich s-Trägereigenschaften gerne am Kopf und Fuß zeigen. ss ist ein geschecktes Meerschweinchen, das Weiß kann in unterschiedlicher Variation und Menge auftreten. Der Standard wünscht eine Scheckung von 3 Farbfeldern auf jeder Seite, z.B. schwarz-weiß-schwarz, am besten auf der anderen Seite wie ein Spiegelbild/Schachbrett weiß-schwarz-weiß.

 

Interessant ist die Weißscheckung bei den American Crested, welche nur eine weiße Krone besitzen. Durch Selektion kann man viel erreichen.

 

Von der Pferdegenetik her kenne ich es, dass Dominant Weiß, Tobiano, Sabino, und Roan verschiedene Allele desselben Gens sind in unterschiedlichem Phänotyp. Zudem gibt es noch den Lethalfaktor Overo, welcher bei Dopplung zu nicht lebensfähigen Babys führt, aber als Oo wunderschöne Scheckungen ergibt sowie Splashed White und Rabicano.

 

Ich könnte mir vorstellen, dass die Weißscheckung bei den Meerschweinchen noch längst nicht so erforscht ist und hier noch ein paar Offenbarungen zu erwarten sind.

 

Dapple und Roan (Rn) sind weitere, ganz andere Faktoren für auftretende weiße Haare, die mit s nichts zu tun haben bzw. auch aufgrund der Verwechslungsmöglichkeiten und dem Lethalfaktor der Schimmel/Dalmatiner nicht mit s vermischt werden sollten.

 

 

Dies wäre reinerbig: aa BB CC EE PP rnrn ss

(c) 2016 Cordula Berens-Harnischmacher, Hagener Str. 4, 57399 Kirchhundem

E-Mail: info@meerschweinchen-raeuberhoehle.de/ Tel: 0170-840 9005